Hospitalhof | Politik und Gesellschaft

Vortrag

Der Preis des Wandels

Geschichte des europäischen Ostens seit 1989

DI 03.12.19, 19:00 – 21:00 Uhr
Hospitalhof Stuttgart, Büchsenstr. 33 70174 Stuttgart

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MIT Reinhold Vetter
MIT Reinhold Vetter

Welche politischen, religiösen und wirtschaftlichen Aspekte sind in der Geschichte der Staaten Osteuropas, z.B. Polen, Ungarn, Tschechien, Slowakei, Rumänien, Bulgarien u.v.m. in den letzten Jahrzehnten besonders herauszuheben? Welche Entwicklungen zeichnen sich in den ostmitteleuropäischen Gesellschaften ab?

Die Ereignisse des Jahres 1989 und die folgende Entwicklung setzten bei den Menschen im östlichen Europa enorme Hoffnungen und Erwartungen frei. Nun, so war man sich einig, sollten Freiheit und Demokratie die kommunistische Diktatur ablösen, würde man bald in einer parlamentarischen Republik mit Gewaltenteilung und einem für alle verbindlichen Rechtsstaat leben. Die Hoffnungen der Menschen richteten sich auch auf eine liberale Marktwirtschaft beziehungsweise ein ökonomisches System mit gemischten Eigentumsformen statt der sozialistischen Kommandowirtschaft. Der Wunsch nach Wohlstand und einer Warenwelt wie im Westen war gewaltig. Man wollte wieder eine freie Presse lesen, statt sich durch zensierte Parteizeitungen langweilen und indoktrinieren zu lassen, und auch alle jene Länder in Europa und auf der ganzen Welt in Augenschein nehmen, deren Besuch einem vorher verwehrt war.

Das alles ist nun dreissig Jahre her. Seither machten Demokratie und Marktwirtschaft grosse Fortschritte, doch die zum Teil rabiaten Reformen brachten auch den Verlust von Arbeitsplätzen, sozialer Sicherheit und politischen Gewissheiten. Das Ergebnis der Europawahl in den östlichen EU-Ländern ist ernüchternd. In 8 von 10 dieser Staaten lag die Wahlbeteiligung unter dem EU-Durchschnitt und war zum Teil noch niedriger als 2014. Mit Kaczynskis Partei Recht und Gerechtigkeit und Orbans Fidesz triumphierten in Polen und Ungarn die EU-kritischen Nationalkonservativen. Offenbar hat die EU in ihrer gegenwärtigen Verfassung in den östlichen Ländern an Strahlkraft verloren. Die Haltung vieler Menschen gegenüber der Gemeinschaft ist weitgehend pragmatisch. Der grosse Freiheits- und Reformimpuls von vor dreissig Jahren ist verblasst. Seit Jahren ist ein Aufschwung von Nationalismus und Populismus zu verzeichnen, meist bei rechten, aber auch bei linken Parteien.

Die Geschichte der Transformation in den östlichen Mitgliedstaaten der Europäischen Union seit den späten achtziger Jahren ist voller interessanter Phänomene, Ereignisse, geradliniger und widersprüchlicher Entwicklungen, dramatischer Brüche, grosser Fortschritte und harter Rückschläge sowie sehnsüchtiger Hoffnungen und bitterer Enttäuschungen bei den Menschen in diesen Ländern. Grund genug also für eine Bilanz.

Buchtipp:
Reinhold Vetter: Der Preis des Wandels Geschichte des europäischen Ostens seit 1989, Herder Verlag, 2019

Im Rahmen der Schwerpunktreihe: Von Mauern und Menschen. Themenreihe zu »30 Jahre Mauerfall«

REFERENT: Reinhold Vetter, Journalist und Politikwissenschaftler, war jahrzehntelang als Korrespondent für »ARD« und dann »Handelsblatt« in Warschau und Budapest, lebt und arbeitet derzeit als freier Publizist in Warschau und Brüssel.

Kostenbeitrag: 7,00 € / 5,00 €

Kontakt: , Tel. 0711 / 20 68 -150

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