Hospitalhof Stuttgart | Evangelisches Bildungszentrum

Hospitalhof | Politik und Gesellschaft

Vortrag und Gespräch

»Ahasver« - der ewige Jude

Eine historisch-literarische Spurensuche von Heidi-Barbara Kloos und Dr. Joel Berger

DI 07.11.17, 19:00 – 21:00 Uhr
Hospitalhof Stuttgart, Büchsenstr. 33 70174 Stuttgart

MIT: Landesrabbiner a.D. Dr. Joel Berger

MIT: Landesrabbiner a.D. Dr. Joel Berger

MIT: Rudolf Guckelsberger

MIT: Rudolf Guckelsberger

„Hab‘ in altem Buch gelesen
Eine wundersame Sage.
Wer der ew’ge Jud‘ gewesen.
Nicht kann Ahasverus sterben,
Sterben nicht, noch Ruh‘ erwerben.“

Das „alte Buch“, auf das sich Adalbert von Chamisso hier bezieht, war einer der größten Bestseller des 17.Jahrhunderts, mindestens ebenso berühmt und verbreitet wie die Sage vom Doktor Faust. Gemeint ist das Volksbuch „Von einem Juden namens Ahasver“, das auf einer mittelalterlichen christlichen Legende beruht. Berichtet wird die Geschichte eines Schusters aus Jerusalem, der Jesus auf dem Weg nach Golgatha eine kurze Rast verweigerte. Jesu Antwort: „Ich will stehen und ruhen, Du aber sollst gehen.“ Seither wandert Ahasver durch Zeit und Raum und dient als Folie für die unterschiedlichsten Selbst- und Fremdbilder jüdischen Lebens.

Von Hamburg bis Paris will man ihn den unterschiedlichsten Masken und Gestalten gesehen haben, und er, der alle Sprachen dieser Welt spricht, beflügelte die Phantasie aller Generationen und vieler Autoren von Goethe bis Heym, von Schubart bis Dürrenmatt. Das Volksbuch des anonymen Verfassers von 1602 machte aus dem namenlosen Handwerker am Kreuzweg einen Juden, dem im Laufe der Zeit immer mehr und immer neue negativen Eigenschaften zugeschrieben wurden. Als Kaftan-Jude mit der Hakennase bediente er die schlimmsten rassistischen Vorurteile. Ein Stereotyp, das geradewegs in den Holocaust führte. Auf der anderen Seite ist der „ewige Jude“ seit der Romantik ein Symbol des einsamen Menschen und als ewig Heimatloser verkörpert er das Schicksal des jüdischen Volkes. Biblisch, literarisch antisemitisch – eine Spur voller Fallstricke und überraschender Wendungen.

Heidi Barbara Kloos ist Historikerin und Literaturwissenschaftlerin. Die langjährige Rundfunkredakteurin arbeitet als Kulturjournalistin und Buchautorin.

Dr. h.c. Joel Berger wurde 1937 in Budapest geboren und emigrierte 1968 nach Deutschland. Seither war er als Rabbiner in Düsseldorf, Göteborg (Schweden), Bremen und Stuttgart tätig. Er ist Verfasser zahlreicher Veröffentlichungen über Geschichte, Volkskultur und Kulturgeschichte des Judentums.
Heute forscht Joel Berger für das Haus der Geschichte Baden-Württemberg zur jüdischen Heimatgeschichte und ist gemeinsam mit seiner Frau Noémi Kurator der Jüdischen Kulturwochen der IRGW.

Rudolf Guckelsberger studierte Sprechkunst und Sprecherziehung an der Musikhochschule Stuttgart. Als Rezitator erarbeitet er seit 1990 literarische Programme – als Solist, in Sprecherensembles sowie in Zusammenarbeit mit international bekannten Musikern. Guckelsberger ist zudem Sprecher und Moderator beim Südwestrundfunk.

KOOPERATION: IRGW, im Rahmen der Jüdischen Kulturwochen 2017; Evang. Bildungszentrum Hospitalhof

MIT: Heidi Barbara Kloos, Manuskript; Dr. h.c. Joel Berger; Rudolf Guckelsberger, Sprecher

Kostenbeitrag: 7,00 € / 5,00 €

Kontakt: info@hospitalhof.de, Tel. 0711 / 20 68 -150