Hospitalhof Stuttgart | Evangelisches Bildungszentrum

Hospitalhof | Politik und Gesellschaft

Vortrag und Gespräch

Medizinisch geprüft?

Leben mit einem Kind mit Behinderung

FR 10.02.17, 19:00 – 21:00 Uhr
Haus der Kath. Kirche, Königstr. 7, 70173 Stuttgart

MIT: Dr. Karl-Horst Marquart

MIT: Dr. Karl-Horst Marquart

Auch in Stuttgart gab es NS-Medizinverbrechen an Kindern und Jugendlichen. Dazu hat Dr. Karl-Horst Marquart eine sorgfältig recherchierte und faktenreiche Arbeit vorgelegt, aus der zwei Augen- und Ohrenzeugenberichte vorgestellt werden. Dank seiner Recherchen gibt es seit Oktober 2016 eine Gedenktafel am Gebäude der ehemaligen Kinderklinik zur NS-Kindereuthanasie.

Aus der Geschichte lernen heißt: Welche Fragestellungen müssen heute entwickelt werden, um die Rolle der Medizin in ethischen Debatten zum Thema Behinderung zu beleuchten und auf ihre Konsequenzen hin zu befragen? Welche Rahmenbedingungen braucht es, damit Familien mit behinderten Kindern Teil unserer Gesellschaft sein können? Darüber diskutieren an diesem Abend Dr. Karl-Horst Marquart, bis 2011 ärztliche Tätigkeit am Gesundheitsamt Stuttgart, Mitbegründer der Stolperstein-Initiativen; Claudia Heinkel, PUA-Fachstelle beim Diakonischen Werk Württemberg für Information, Aufklärung, Beratung zu Pränataldiagnostik und Reproduktionsmedizin, und Dr. Angelika Linckh, Frauenärztin.

Die Möglichkeiten, sich technisch und medizinisch abzusichern und zu vergewissern, ob „alles in Ordnung“ ist, nehmen zu. Zur Normalität der Schwangerschaft gehört es, sich diesen Untersuchungen zu unterziehen. Werdende Eltern und Ärzte und Ärztinnen sowie Beratungsstellen, die diesen Tendenzen zur Absicherung kritisch gegenüberstehen, setzen sich damit auseinander, dass die selektive Diagnostik wie z.B. der genetische Bluttest auf Trisomie 21 faktisch zwischen schützenswertem und nicht schützenswertem Leben unterscheidet. Weil ein Kind mit Behinderung als vermeidbar angesehen wird, und die Entscheidung für ein Kind mit Behinderung zunehmend als begründungspflichtig angesehen wird, können sie sich Vorwürfen ausgesetzt sehen, nicht alles geklärt und getan zu haben, was möglich ist. Neuere medizinisch-technische Entwicklungen befördern diese Unsicherheit, indem sie immer noch mehr Tests zur Abklärung anbieten. Es scheint, als hätten sich die Ängste, die mit der verletzlichen Situation der Schwangerschaft verbunden sind, in der einen großen Angst gebündelt: in der Angst vor einem behinderten Kind.

KOOPERATION: Kath. Bildungswerk Stuttgart, Ev. Bildungszentrum Hospitalhof. Im Rahmen der Reihe »Inklusion«

MIT: Hede Beck und Matthias Enneper, Lesungen. Dr. Karl-Horst Marquart, bis 2011 ärztliche Tätigkeit am Gesundheitsamt Stuttgart, Mitbegründer der Stolperstein-Initiativen; Claudia Heinkel, PUA-Fachstelle beim Diakonischen Werk Württemberg für Information, Aufklärung, Beratung zu Pränataldiagnostik und Reproduktionsmedizin, Dr. Angelika Linckh, Frauenärztin.

Kostenbeitrag entfällt

Kontakt: info@hospitalhof.de, Tel. 0711 / 20 68-150