Hospitalhof | Politik und Gesellschaft

Thementag

Digital, privat und frei?

Smart Leben mit Apps & Co.

MI 22.05.19, 15:00 – 20:00 Uhr
Hospitalhof, Büchsenstr. 33, 70174 Stuttgart

Termin speichern

Programm

15.00–16.30 Uhr

  • Einführung – Prof. Dr. Petra Grimm, Leitung des Instituts für Digitale Ethik (IDE), Hochschule der Medien
  • Eine kleine Filmgeschichte der Privatheit – Kilian Hauptmann und Dr. Martin Hennig, Universität Passau

16.45 – 18.15 Uhr

  • Workshop 1: Polit-Influencer – oder wenn LeFloid aus dem privaten Wohnzimmer Nachrichten sendet – Marcel Schlegel, Universität Passau
  • Workshop 2: Meine Daten gehören doch mir?! Sicher surfen im Internet – Lea Watzinger, Universität Passau
  • Workshop 3: Access to Privacy. Netzkunst, Privatheit und Digitalisierung – Hannah Zipfel, Westfälische Wilhelms-Universität Münster, und Alix Michell, Universität Passau

18.30 – 20.00 Uhr

  • Hätte Hannah Arendt WhatsApp genutzt? – Dr. Julia Maria Mönig, Institut für Digitale Ethik, Hochschule der Medien
  • Streitgespräch: Was hat Whatsappen mit Freiheit zu tun? – Prof. Dr. Petra Grimm, Prof. Dr. Tobias Keber, Prof. Dr. Oliver Zöllner, Leitung des Instituts für Digitale Ethik, Hochschule der Medien
  • Diskussion mit dem Publikum

Auftaktveranstaltung: Eine kleine Filmgeschichte der Privatheit

Privatheit und Überwachung sind angesichts immer neuer Datenskandale aktuell allgegenwärtige Themen in Politik und Gesellschaft. Die Digitalisierung und damit neuartige Überwachungsmöglichkeiten verändern aber möglicherweise auch unsere Wahrnehmung und Bewertung von Privatheit. Um dem nachzugehen, lohnt sich ein Blick auf die Filmgeschichte. Denn Privatheit und Überwachung sind bereits Themen der Stummfilmzeit, die seitdem in Abhängigkeit von historischen und kulturellen Ereignissen (etwa nach den Anschlägen vom 11. September 2001 oder in Folge des ‚NSA-Skandals‘) immer wieder neu verhandelt werden. Dabei lassen Beispiele aus unterschiedlichen Kulturen oder zu verschiedenen historischen Zeitpunkten Rückschlüsse auf die kulturelle Wahrnehmung der Themen und ebenso einen Perspektivwechsel zu.
Gleichzeitig formt die Art und Weise, wie Überwachung im Film dargestellt wird, unser aller Vorstellung von technischen Möglichkeiten und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft. Mit Blick auf den digitalen Medienwandel müssen wir uns also fragen: Welche Unterschiede und Gemeinsamkeiten der Darstellungen von (Kamera-)Überwachung und Datenüberwachung ergeben sich? Geben uns die „Geschichten über Überwachung“ bestimmte Werte vor und wenn ja, welche? Im Vortrag wollen wir deshalb Filmklassiker wie Alfred Hitchcocks Das Fenster zum Hof und Michael Radfords 1984 sowie aktuellere Beispiele wie Tony Scotts Der Staatsfeind Nummer 1 oder Oliver Stones Snowden vorstellen und gemeinsam mit dem Publikum die jeweiligen Darstellungen von Themen wie ‚Voyeurismus‘, ‚Überwachung durch Geheimdienste‘, ‚Privatheit im digitalen Zeitalter‘ etc. analysieren und diskutieren.

Workshop 1: Polit-Influencer – oder wenn LeFloid aus dem privaten Wohnzimmer Nachrichten sendet

Nachrichten lesen? Schon öde. Die Tagesschau? Was für alte Leute. Und eine Zeitung? Gehört ins Museum! Wie praktisch, dass es zum Beispiel YouTube gibt, wo Leute wie etwa LeFloid, MrWissen2Go oder Tilo Jung (Jung & Naiv) das komplexe Weltgeschehen und dessen mitunter zähe politische Zusammenhänge in einfachen Worten, ohne viel Begriffs-Wirr-Warr und mit schönen Videos vermitteln. Und ganz nebenbei kommen sie noch sympathisch, humorvoll und nahbar daher: Leute wie du ich, Privatpersonen eben, die ihre unterhaltsamen Nachrichtensendungen von zu Hause aus senden – abrufbar, wann und wo ich das möchte – auf YouTube, Facebook, Twitter und Co.
Die angesprochenen Publizisten könnte man als „politische Influencer“ bezeichnen – vormals weitgehend unbekannte Einzelakteure also, die es in den Sozialen Netzwerken zu einer gewissen Prominenz geschafft haben und teilweise über eine beachtliche Follower-Gemeinde verfügen. Sie versorgen ihr Publikum – aus dem heimischen Wohnzimmer oder dem Café nebenan – zuverlässig mit allerlei Nachrichten aus verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen und vor allem mit Meinungen, nicht nur mit politischen. Man könnte sagen: Sie schaffen aus ihrem privaten Kontext heraus Öffentlichkeit, indem sie zur (politischen) Meinungsbildung ihrer Follower beitragen.
Was aber macht einen Polit-Influencer aus? Worin unterscheidet er sich zum Beispiel von Journalistinnen und Journalisten? Was macht diesen neuen Typus eines politischen Meinungsführers überhaupt glaubwürdig und authentisch? Und welche Rolle spielt dabei, dass LeFloid auch gern mal aus dem privaten Nähkästchen plaudert, in der heimischen Küche leckere Gerichte kocht oder von seiner bequemen Couch aus sendet?

Workshop 2: Meine Daten gehören doch mir?! Sicher surfen im Internet

Ist es möglich, im Netz etwas zu veröffentlichen, ohne dass es gleich die ganze Welt sehen kann? Oder muss ich mir darüber klar sein, dass alles, was im Internet einmal hochgeladen ist, niemals verschwindet? Was kann ich selbst tun, um meine Privatsphäre in Social Media zu schützen?
Datenskandale, Hacker-Angriffe aber auch Äußerungen von Managern aus dem Silicon Valley erschüttern das Vertrauen in Soziale Medien wie Facebook & Co. Trotzdem sind die meisten Menschen angemeldet, mitunter mit schlechtem Gefühl. In diesem Workshop werden daher die Standard-Datenschutz-Einstellungen in den Blick genommen. Zusammen mit den Anwesenden werden Fragen erörtert, inwiefern Privatsphäre im digitalen Raum wichtig und möglich ist und was der/die Einzelne tun kann, um sich zu schützen.

Workshop 3: Access to Privacy. Netzkunst, Privatheit und Digitalisierung

Durch Kunst kann Unbekanntes entdeckt und Bekanntes aus neuen Perspektiven betrachtet werden. Sie ermöglicht es, Abstand zu etwas zu gewinnen, das uns eigentlich vertraut scheint und so vielleicht anders darüber nachzudenken.
Wir bewegen uns tagtäglich in einer digitalisierten Welt. Der virtuelle Raum ist eng mit unserer physischen Welt verwoben. Was hier passiert, zeigt dort Auswirkungen. Und dennoch entziehen sich viele Prozesse unserem Überblick. Am 22. Mai 2019 zeigen wir deshalb Arbeiten aus dem Bereich Netzkunst, die sich mit der digitalisierten Gesellschaft auseinandersetzten. In ihnen wird der Kult der Selbstinszenierung und des expliziten Ausstellens von (vermeintlich) Privatem verhandelt. Wie viel Persönliches ist im Netz in Ordnung oder wird sogar als wünschenswert verstanden? Was ist zu viel, was ist zu intim? Oder gibt es das gar nicht mehr? Und was passiert eigentlich, wenn man sich diesen Regeln widersetzt? Netzkünstler*innen haben diese Grenzen ausgelotet und das in Bildern und Videos dokumentiert. Durch ihre Arbeiten werden wir im Workshop unsere Online-Gesellschaft und die dort gültigen Normen und Regeln gemeinsam betrachten, diskutieren und infrage stellen.

Impulsvortrag: „Hätte Hannah Arendt WhatsApp benutzt?“ und Streitgespräch: „Was hat Whatsappen mit Freiheit zu tun?“

WhatsApp ist längst „normal“. Man „appt“ jetzt miteinander per Smartphone und verbindet sich auf diese Weise. Das hat Auswirkungen auf den Alltag vieler Menschen. Der digitale Messengerdienst erleichtert und erschwert zugleich den Alltag seiner Nutzer/innen. WhatsApp ermöglicht nicht nur den Austausch von Textbotschaften, Sprachmitteilungen und Bildern, sondern auch Überwachung und Kontrolle: der Anwender gegenseitig wie auch durch den Mutterkonzern Facebook. WhatsApp ist ein Instrument des Beherrscht-Werdens von Anderen wie auch des Herrschens über Andere. Wer den Instant-Messenger-Dienst nicht nutzt, wird ungläubig beäugt. Weshalb sollten wir unsere Privatheit überhaupt schützen wollen und was die Philosophin Hannah Arendt damit zu tun hat, wird im Impulsvortrag von Julia Maria Mönig beleuchtet. Es folgt ein Streitgespräch zwischen Petra Grimm, Tobias Keber und Oliver Zöllner, die sich unter anderem die folgenden Fragen stellen werden: Was bedeuten Apps für das Leben im Digitalen? Wie „privat“ sind wir in der Digitalität? Was hat WhatsApp mit Freiheit zu tun?

KOOPERATION: Hochschule der Medien Stuttgart, Universität Passau, Staatliches Seminar für Ausbildung und Fortbildung der Lehrkräfte Stuttgart, Evang. Bildungszentrum Hospitalhof im Rahmen der Privacy Week Stuttgart

Bitte melden Sie sich für die Workshops an:

Mit: Prof. Dr. Petra Grimm, Prof. Dr. Tobias Keber, Prof. Dr. Oliver Zöllner, Dr. Julia Maria Mönig (alle HdM, Institut für Digitale Ethik), Marcel Schlegel, Lea Watzinger, Alix Michell, Kilian Hauptmann, Dr. Martin Hennig (alle Universität Passau), Hannah Zipfel (Westfälische Wilhelms-Universität Münster)

Kostenbeitrag entfällt

Kontakt: Evang. Bildungszentrum Hospitalhof, Tel. 0711/2068-150

Anmeldung beim Veranstalter/Dozenten

Diese Website setzt Cookies ein, um die volle Funktionalität zu gewährleisten. Mit der Benutzung der Website stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Näheres dazu finden Sie in unserer Datenschutzerklärung.

Cookies akzeptieren

-