Hospitalhof | Theologie und Spiritualität

Vortrag

Keine Religionsfreiheit ohne Religionskritik

DI 12.11.19, 19:00 – 21:00 Uhr
Hospitalhof Stuttgart, Büchsenstr. 33 70174 Stuttgart

MIT Hamel Abdel-Samad
MIT Hamel Abdel-Samad © CK-PHOTOGRAFIE www.kenzler.org

Wer »Ja« sagt, muss vorher imstande sein, »Nein« sagen zu können, ansonsten besteht keine Entscheidungsfreiheit. Viele Muslime verstehen Religionsfreiheit als Einbahnstraße: Sie bejahen die ungestörte Ausübung des Glaubens, lehnen aber die andere Seite dieser Freiheit ab, nämlich, das Recht, die Religion, ihre Grundlagen, ihre Texte und Gründungsfiguren zu kritisieren. Für gläubige Muslime in der Diaspora ist ihre Religion kein Gegenstand der Diskussion; vielmehr nimmt sie eine haltvermittelnde und identitätsstiftende Funktion ein, die oft mit einer Überhöhung der Religion einhergeht.

Kritiker des Islam werden von allen Seiten unter Druck gesetzt. Die Radikalen drohen den Kritikern mit dem Tod, die gemäßigten Muslime erpressen sie mit ihren verletzten religiösen Gefühlen, und Vertreter des Moralismus und des »Empörialismus« warnen davor, Kritik könne Wasser auf die Mühlen der Rechten gießen.

Doch diese verkrampfte Haltung im Umgang mit dem Islam schützt Muslime nicht vor Hass und Misstrauen. Sie bietet eher dem politischen Islam Geleitschutz und lässt ihn ungestört seine Infrastrukturen in Europa ausbauen. Nur eine offene, tabulose Debatte über den Islam, kann den politischen Islam im Zaun halten und gleichzeitig muslimische Reformkräfte dabei unterstützen, für die Modernisierung ihres Glaubens zu werben. Die Tabuisierung, ja Kriminalisierung der Islamkritik spielt den reaktionären Kräften in die Hände: auf muslimischer und auf der rechten Seite des politischen Spektrums.

Buchtipp:
Hamed Abdel-Samad: Integration. Ein Protokoll des Scheiterns (Droemer, 2018); Der Koran. Botschaft der Liebe, Botschaft des Hasses (Droemer, 2016).

KOOPERATION: Pädagogische Hochschule Schwäbisch Gmünd, Masterstudiengang Interkulturalität und Integration; Evang. Bildungszentrum Hospitalhof

Bitte beachten Sie: Große Taschen, Regenschirme u.ä. müssen an der Garderobe abgegeben werden.

Im Rahmen der Reihe: Umstrittene Religionsfreiheit

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