Hospitalhof | Politik und Gesellschaft

Vortrag und Gespräch

Der gescheiterte Antifaschismus der DDR

Folgen und aktuelle Anforderungen für eine emanzipatorische Politik 30 Jahre nach dem Mauerfall

MI 23.10.19, 19:00 – 21:00 Uhr
Hospitalhof Stuttgart, Büchsenstr. 33 70174 Stuttgart

In der DDR gab es Neonazismus, Rassismus und Antisemitismus, die von der Politik, den Me¬dien und den Sicherheitsorganen bis Ende 1989 öffentlich verschwiegen und vertuscht wurden. Damit scheiterte der Antifaschismus der deutschen Kommunisten, nach dem ersten Scheitern des Antifaschismus gegenüber der NSDAP, in der DDR zum zweiten Mal.

In der DDR gab es Neonazismus, Rassismus und Antisemitismus, die von der Politik, den Medien und den Sicherheitsorganen bis Ende 1989 öffentlich verschwiegen und vertuscht wurden. Damit scheiterte der Antifaschismus der deutschen Kommunisten, nach dem ersten Scheitern des Antifaschismus gegenüber der NSDAP, in der DDR zum zweiten Mal.

Anders als SED und Stasi es darstellten, handelt es sich beim Neonazismus nicht um klassische Kriminalität, sondern um ein politisches und ideologisches Problem, dass mit kriminellen Randerscheinungen verkoppelt war und ist. Für die SED waren die wichtigsten Methoden der Bekämpfung der »negativ-dekadenten Jugendlichen« erstens die Verharmlosung durch Entpolitisierung und Kriminalisierung, hauptsächlich der »Rädelsführer«, sowie zweitens bei Ausländern die massenhafte Rückführung ins jeweilige Heimatland. In der Regel bedeute es, dass dadurch Opfer zu Tätern umfunktioniert werden konnten, ohne dass jeweils juristische Aufklärungen durchgeführt wurden. Drittens wurde unisono dem Westen bzw. den Westmedien die Schuld für Neonazismus in der DDR zugesprochen.

Das Scheitern des Antifaschismus in der DDR lässt sich nicht aus Politik, Ideologie oder durch Einwirkungen aus dem Westen erklären, denn ohne innere, gesellschaftspolitische Ursachen hätten neorechte Parolen keinen Nährboden finden können. Dazu gehörte der stalinistische Autoritarismus, der Absolutheitsanspruch der Ideologie des »Marxismus-Leninismus«, antiemanzipatorische Haltungen, umfassende politische Repression auch gegen Demokraten und Sozialisten, die Militarisierung der Gesellschaft und letztlich die anhaltende Krise der ostdeutschen Ökonomie.

Im Rahmen der Schwerpunktreihe: Von Mauern und Menschen. Themenreihe zu »30 Jahre Mauerfall«

KOOPERATION: Emanzipation & Friede e.V., Fritz-Erler-Forum der Friedrich-Ebert-Stiftung, Evang. Bildungszentrum Hospitalhof

REFERENT: Dr. Harry Waibel, Autor und Forscher mit zeithistorischen Schwerpunkten Neonazismus, Rassismus und Antisemitismus in Deutschland (DDR und BRD) sowie deren Ursachen und Folgen. Pascal Begrich, Geschäftsführer des Vereins "Miteinander - Netzwerk für Demokratie und Weltoffenheit in Sachsen-Anhalt" mit Sitz in Magdeburg. Moderation: Dr. Marc-Dietrich Ohse, wuchs in der DDR auf und arbeitete dort als Koch. Nach der Wende studierte er in Göttingen Geschichte und Ev. Theologie und promovierte über Jugendprotest in der DDR. Von 2003 bis 2012 war er als verantwortlicher Redakteur der Zeitschrift »Deutschland Archiv. Zeitschrift für das vereinigte Deutschland« tätig.

INFO: https://www.fes.de/fritz-erler-forum/

Kostenbeitrag entfällt

Kontakt: , Tel. 0711 / 20 68 -150

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