Hospitalhof | Politik und Gesellschaft

Vortrag

Krieg ohne Ende? Warum Syrien keinen Frieden findet

Im Rahmen der Ausstellung »Kunst trotzt Ausgrenzung«

FR 28.06.19, 19:00 – 21:00 Uhr
Hospitalhof Stuttgart, Büchsenstr. 33 70174 Stuttgart

Weitere Termine: ACHTUNG: Termin wirde geändert!

MIT: Jörg Armbruster.
Foto: Christina Katzenberg
MIT: Jörg Armbruster. Foto: Christina Katzenberg

Seit nun mehr acht Jahren tobt in Syrien ein Stellvertreterkrieg, dessen Ende kaum abzusehen ist, weil offensichtlich weder der syrische Machthaber Assad ein Frieden will, ehe er nicht sein ganzes Land zurückerobert hat. Noch die anderen an dem Krieg beteiligten Nationen wie der Iran, Russland aber auch Israel, die USA oder die Golfstaaten als Unterstützer der Djihadisten in Syrien. Auch die Kurden kämpfen für einen unabhängigen Kurdenstaat im Norden des Landes sehr zum Ärger der Türkei, die genau das verhindern will. Daher hatte auch sie vor einem Jahr aktiv in diese Gemengelage eingegriffen und Teile Nordsyriens besetzt.

Jede an diesem Krieg beteiligte Macht verfolgt eigene Interessen: der Iran stand mit eigenen Truppen noch nie so tief in der arabischen Welt und ist zumindest vorläufig kaum mehr aus Syrien und dem Libanon wegzudenken, was wiederum in Israel große Besorgnis auslöst. Russland wird sich wohl auch auf Dauer mit eigenen Truppen in Syrien festsetzen, also unmittelbar am Mittelmeer mit Kriegsschiffen und Luftwaffeneinheiten vertreten sein.

Der Syrienkrieg ist also ein Machtkampf um Kontrolle, Einflusssphären, Drohkulissen und Vorherrschaft. Wie dieser Kampf ausgeht, kann man heute noch nicht sagen. Eines steht allerdings schon fest: den Nahen Osten, so wie wir ihn ihn aus dem letzten Jahrhundert kennen, wird es nicht mehr geben. Neue Allianzen tun sich stattdessen auf. Zum Beispiel die zwischen Israel und Saudi Arabien, was vor ein paar Jahren kaum vorstellbar gewesen war.

Zu erwarten sind also Machtverschiebungen, die schon heute auf niemanden Rücksicht nehmen weder auf die, die sich ihnen entgegenstellen wollen noch auf die unmittelbar Betroffenen, die Syrer selber also.

Im Gegenteil: Dieser Krieg hat Millionen Menschen in die Flucht getrieben. Die Hälfte der syrischen Bevölkerung ist auf der Flucht, in die Nachbarländer die meisten, aber auch in Syrien selber als sogenannte Binnenflüchtlinge, viele haben sich aber auch zu uns auf den Weg gemacht. Aber umgerechnet auf die Bevölkerungszahl haben wir in Deutschland die wenigsten aufgenommen. Wer sich dennoch darüber beklagt, sollte sich in Ländern wie Libanon oder Jordanien umsehen. Lebten bei uns so viele Flüchtlinge wie im Libanon, dann hätten wir bis zu 20 Millionen Flüchtlinge aufnehmen müssen.

Wie geht es nun weiter in Syrien? Warum ist es so schwer in Syrien wenigstens die Kämpfe zu beenden? Der Syrienbeauftragte der Vereinten Nationen, Staffan de Mistura, meinte zu dieser Frage: Selbst der Westfälische Frieden, der den Dreißigjährigen Krieg beendet, war einfacher zu finden als ein Frieden in Syrien.

KOOPERATION: Evang. Gesellschaft Stuttgart, Evang. Bildungszentrum Hospitalhof

REFERENT: Jörg Armbruster, Journalist und ehemaliger ARD-Korrespondent Nahost

Kostenbeitrag entfällt

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