Hospitalhof Stuttgart | Evangelisches Bildungszentrum

Veranstaltungsräume

Paul-Lechler-Saal

Paul-Lechler-Saal

Paul Lechler d. Ä. (1849-1925)
1875 legte der Unternehmer Paul Lechler fest, den Zehnten des Gewinns seiner Firmen auf alle Zeiten den Armen zu geben. Lechler engagierte sich auch persönlich, zeitweise als ehrenamtlicher Armenpfleger in Stuttgart und darüber hinaus als deutschlandweit wirkender Sozialreformer. Er finanzierte in Stuttgart den Bau der Martinskirche sowie eines Haus mit zehn Wohnungen. Lechler gründete den heutigen Nothilfeverein und die Stuttgarter Hymnus-Chorknaben. Er initiierte den Verein Deutsches Institut für ärztliche Mission, der in Tübingen die Tropenklinik einrichtete, und in Freudenstadt das Kurhaus Palmenwald. Außerdem war Paul Lechler in kirchlichen und städtischen Ehrenämtern aktiv.
Die Familie Lechler ist der Hospitalkirche eng verbunden. Unter anderem wurde das Mittelfenster des Chors im Jahr 1877 von Paul Lechler und seiner Frau Maria geb. Hartenstein gestiftet.

Gefördert durch die Paul Lechler-Stiftung

Elisabeth-und-Albrecht-Goes-Saal

Elisabeth und Albrecht Goes
Elisabeth (1911-2007), geb. Schneider, war seit 1933 mit Albrecht Goes verheiratet. Sie gewährte 1944 in der sog. Württemberger Pfarrhauskette verfolgten Juden Zuflucht in ihrem Gebersheimer Pfarrhaus. In der Jerusalemer Gedenkstätte Yad va Shem wird sie deshalb als Gerechte unter den Völkern geehrt.
Albrecht (1908-2000), schwäbischer Dichter-Pfarrer in der Nachfolge Mörikes, geb. im Langenbeutinger Pfarrhaus, Seminarist in Schöntal/ Urach, Studium am Tübinger Stift. Wurde bekannt als Lyriker, Novellist und Essayist. Als einer der ersten hat er das Ausmaß deutscher Schuld an den Juden ermessen und literarisch thematisiert. Er war seit 1933 freundschaftlich mit Martin Buber verbunden. Goes war Mitglied der Akademie der Künste Berlin und Träger der Buber-Rosenzweig-Medaille sowie der Otto-Hirsch-Auszeichnung der Landeshauptstadt Stuttgart.

Johannes-Reuchlin-Raum

Tagungsraum Johannes Reuchlin

Johannes Reuchlin (1455-1522)
Geboren in Pforzheim am 29. Januar 1455. Als Jurist Berater des Herzogs Eberhard im Bart, 1502-1513 Richter des Schwäbischen Bundes.
Auf einer Gesandtschaftsreise nach Rom 1482 Bekanntschaft mit dem italienischen Humanismus. Reuchlin bildete sich zum vir trilinguis, der die drei Bibelsprachen Latein, Griechisch und Hebräisch beherrscht und ließ 1506 die erste hebräische Grammatik erscheinen. Er setzte sich erfolgreich gegen die vom Dominikanerorden geforderte Verbrennung der jüdischen Bücher ein. Verwandter und Förderer des jungen Philipp Melanchthon.
Reuchlin starb in Stuttgart am 30. Juni 1522. Als Begräbnisort hatte er ursprünglich das Dominikanerkloster bestimmt, dies dann aber zugunsten der Leonhardskirche rückgängig gemacht. Dort befindet sich sein dreisprachiger Gedenkstein.

Karl-Gerok-Raum

Tagungsraum Karl Gerok

Karl Gerok (1815-1890)
Geboren am 30. Januar 1815 in Vaihingen an der Enz, aufgewachsen in Stuttgart. Studium der Theologie in Tübingen. 1849 Pfarrer an der Hospitalkirche, 1851 an der Stiftskirche, dann zugleich Dekan für den Amtsbezirk Stuttgart. 1862 Pfarrer an der Hospitalkirche, zugleich Stadtdekan. 1868 bis zu seinem Tod Oberhofprediger.
Gerok war ein geschätzter Prediger, dem die Vermittlung zwischen christlichem Glauben und der Kultur seiner Zeit am Herzen lag. Mit seinen Dichtungen ist er einer der erfolgreichsten Schriftsteller deutscher Sprache. Die 1856 erstmals erschienenen „Palmblätter“, eine Sammlung geistlicher Gedichte, erlebte über 100 Auflagen. Bekannt ist sein ”Gruß an Stuttgart” aus dem Jahre 1867.
Gerok starb am 14. Januar 1890.

Katharina-von-Helffenstein-Raum

Tagungsraum Katharina von Helffenstein

Katharina von Helffenstein (gest. vor 1387)
„Gräfin Katharina von Helffenstein (gest. vor 1387) hatte das alte Spital gestiftet. Im Spitalhof stand ein fließender Brunnen, an dem bis in das Jahr 1915 ein um 1550 zu Ehren der Stifterin Gräfin Katharina von Helffenstein, Gemahlin Ulrichs IV., errichtetes Steinbild an die Hl. Katharina erinnerte, dargestellt mit dem zerbrochenem Rad und Schwert, mit der linken Hand einen Schild mit dem Spitalkreuz haltend.“ – Die Hl. Katharina von Alexandrien – und durch diese Verbindung auch die Stifterin Katharina von Helffenstein – wurde wegen ihrer Weisheit und Gelehrsamkeit gerühmt.

Johann-Valentin-Andreae-Raum

johann valentin andreae

Johann Valentin Andreae (1586-1654)
Geboren am 17. August 1586 in Herrenberg. Studium in Tübingen und Reisen in Westeuropa als Begleiter von jungen Adligen. 1614 zweiter Pfarrer in Vaihingen an der Enz, 1620 Superintendent in Calw, 1639 Hofprediger in Stuttgart, 1650 bis 1654 Prälat von Bebenhausen.
Andreae war ein Universalgenie, ein vielseitig interessierter und engagierter Mann. In Calw gründete er das Färberstift als örtliches Hilfswerk. Sein Hauptanliegen war eine Reform von Kirche, Theologie und Bildung, womit er als Vorläufer des Pietismus zu gelten hat. Einschneidend war für Andreae die Verheerung von Calw 1634 mit Verlust seiner Habe. Als Hofprediger war er zugleich Mitglied der Kirchenleitung und mit dem Wiederaufbau der württembergischen Kirche befasst. Damit die Klosterschule in Bebenhausen wieder in Gang kam, ließ er sich dorthin versetzen.
Andreae starb am 27. Juni 1654 in seinem Haus in Stuttgart und wurde auf dem Friedhof der Hospitalkirche begraben.

Käte-Hamburger-Raum

käte hamburger raum

Käte Hamburger (1896-1992)
Geboren am 21. September 1896 in Hamburg. Studium der Kunstgeschichte, Philosophie und Literaturwissenschaft. 1922 Promotion in München. 1934 aufgrund ihrer jüdischen Herkunft Emigration nach Schweden. 1956 Rückkehr nach Deutschland. 1957 als erste Frau Habilitation im Fach Literaturwissenschaft. Bis zum 80. Lebensjahr 1976 lehrt sie als Professorin an der TH Stuttgart. 1987 Verleihung der Ehrendoktorwürde der Theologischen Fakultät der Universität Göttingen.
Dem jüdisch-christlichen Dialog hat Hamburger mit ihren Arbeiten zu jüdischen und christlichen Autoren des 19. und 20. Jahrhunderts wichtige Impulse gegeben. Als überzeugte Humanistin trat sie der Entmenschlichung der abendländischen Kultur entgegen. Auch deshalb benannte das Bundesministerium für Bildung und Forschung die „Käte-Hamburger-Kollegs für geisteswissenschaftliche Forschung“ nach ihr.
Hamburger starb am 8. April 1992 in Stuttgart und wurde im Israelitischen Friedhof auf der Prag beigesetzt.

Texte: Dr. Hermann Ehmer, Dieter Hauswirth, Dr. Reiner Strunk, Dr. Tilman Schröder, Monika Renninger