Psychologie und Gesundheit
Lesung und Gespräch
Trotzdem ich (Teil 1)
Was schwerkranke Menschen wirklich brauchen
FR 09.10.26, 18:00 – 20:00 Uhr
Hospitalhof Stuttgart, Büchsenstr. 33, 70174 Stuttgart
Termine: 2. Teil: Sa 10.10.26, 14:00-16:00 Uhr
Was braucht ein Mensch, der schwer und unheilbar krank ist, wirklich? Nicht theoretisch. Nicht medizinisch. Sondern menschlich. Wie gelingt Begleitung, wenn Worte fehlen, wenn Hilflosigkeit im Raum steht, wenn gut gemeinte Fürsorge manchmal zu viel wird? Wie können schwerkranke Menschen gesehen werden, ohne auf ihre Krankheit, ihre Einschränkungen oder ihr Sterben reduziert zu werden? Und was bedeutet Würde im Alltag, wenn vieles nicht mehr selbstverständlich ist?
In dieser zweiteiligen Veranstaltung lädt Sabine Wöhrstein zu einem besonderen Perspektivwechsel ein. Sie lebt mit der unheilbaren Erkrankung ALS, kann inzwischen nicht mehr sprechen und kommuniziert über eine Text-to-Speech-App. Gerade dadurch entsteht ein außergewöhnliches Setting: Eine Referentin, die nicht mehr sprechen kann, gestaltet einen Workshop über Kommunikation, Begleitung, Würde und Lebensmut.
Sabine Wöhrstein verbindet drei Perspektiven: die eigene Erfahrung als schwerkranke Frau, ihre berufliche Erfahrung als Kommunikationstrainerin und ihre Arbeit als Autorin. In ihrem aktuell entstehenden Buch »Trotzdem ich« schreibt sie über Krankheit, Sprachverlust, Selbstbestimmung, Angst, Humor, Liebe, Wut, Lebensmut und den Versuch, sich selbst nicht zu verlieren.
Begleitet und mitmoderiert wird der Workshop von Dr. Manfred Baumann, fachlicher Leiter des Hospiz Backnang. Er unterstützt die Durchführung und bringt die hospizliche Fachperspektive in den Austausch ein.
Die Lesung ist kein Vortrag über das »richtige« Umgehen mit schwerer Krankheit. Es geht nicht um Patentrezepte und nicht um vorschnelles Trösten. Im Mittelpunkt steht vielmehr die Frage, wie Begleitung gelingen kann, wenn ein Mensch viel verliert — aber dennoch als ganzer Mensch wahrgenommen werden möchte: mit Geschichte, Würde, Eigenwillen, Humor, Grenzen, Bedürfnissen und dem Wunsch nach Normalität. Denn Kommunikation ist mehr als gesprochene Sprache. Teilhabe kann auch anders gelingen.
Die Teilnehmenden erhalten Einblicke in die Innenperspektive schwerer, unheilbarer Krankheit und reflektieren ihre eigene Rolle in der Begleitung. Dabei geht es unter anderem um gut gemeinte Fürsorge, Mitleid, Übervorsicht und mögliche Entmündigung, um den Umgang mit Sprachlosigkeit und Stille, um Selbstbestimmung im Kleinen und um die Frage, welche Worte hilfreich sein können, wenn eigentlich keine Worte reichen.
Methodisch verbindet die Veranstaltung persönliche Impulse der Referentin, kurze Textauszüge aus ihrem Buchprojekt, Reflexionsfragen, Austausch und konkrete Situationen aus der Begleitung schwerkranker Menschen. Die besondere Kommunikationsform über Text-to-Speech ist dabei nicht nur organisatorisches Mittel, sondern Teil des Lernprozesses: Die Teilnehmenden erleben unmittelbar, dass Begegnung, Ausdruck und Wirksamkeit auch ohne gesprochene Sprache möglich bleiben.
Die Lesung und der Austausch richten sich an Menschen, die schwer kranke, sterbende oder trauernde Menschen begleiten — ehrenamtlich, beruflich oder im persönlichen Umfeld, Pflegekräfte, Betreuungskräfte, Seelsorgende, Mitarbeitende aus Besuchsdiensten, sozialen und therapeutischen Arbeitsfeldern, Angehörige und Zugehörige und an alle, die sich grundsätzlich mit Krankheit, Sterben, Kommunikation und Begleitung auseinandersetzen möchten.
MIT: Sabine Wöhrstein, Autorin, ehemalige Kommunikationstrainerin und an ALS erkrankt
MODERATION: Dr. Manfred Baumann, fachlicher Leiter Hospiz Backnang
KOOPERATION: Hospiz Stuttgart, Evang. Bildungszentrum Hospitalhof Stuttgart
Kostenbeitrag entfällt. Um Spenden für Hospizarbeit und ALS-Forschung wird gebeten
Kontakt: , Tel. 0711 / 20 68-150
