Ausstellung

Sławomir Elsner. Nichts ist wie es scheint

11.06. – 11.08.15

Geben Bilder die Wahrheit wieder oder deformieren sie diese? Dieser Frage geht der Künstler Sławomir Elsner in seiner Ausstellung nach. Dabei wird er in einen Dialog mit Kunstwerken vergangener Epochen treten und sie rekontextualisieren. Die Ausstellung legt einen Themenschwerpunkt auf Werke aus dem Bestand der Staatsgalerie Stuttgart.

Porträt einer Dame, Simonetta Vespucci, (nach Sandro Botticelli, um 1476), Ausschnitt, 2014, Farbstift auf Papier, 49,5 × 37 cm Courtesy: Galerie Gebr. Lehmann Dresden/Berlin
Primavera, (nach Sandro Botticelli, 1478), Detail, 2014, Papier und Farbe auf Wand, Dimension variabel Installationsansicht/Ausstellung: MUSE, CCA Kunsthalle Andratx, Mallorca
Bildnis der Agnes von Hayn (nach Lucas Cranach d. J., 1543), 2015, Farbstift auf Papier, 59,5 × 43,5 cm, Courtesy: Galerie Gebr. Lehmann, Dresden/Berlin

Sławomir Elsner wurde 1976 in Wodzisław Śląski, Polen, geboren und studierte Freie Kunst an der Kunsthochschule Kassel bei Prof. Norbert Radermacher. In seinem Werk beschäftigt er sich mit der Wirkung verschiedener Medien und den durch sie erzählten Geschichten. Er hinterfragt den Abbildungscharakter von Bildern und regt den Betrachter dazu an, seine eigenen Seherfahrungen kritisch zu prüfen. Dabei geht er stets der Frage nach, ob Bilder die Wirklichkeit wiedergeben oder sie deformieren. Mit den eigens für die Ausstellung entstandenen Werken tritt Elsner in einen Dialog mit Gemälden vergangener Epochen und rekontextualisiert sie.

Der Ausstellungtitel Nichts ist wie es scheint löst zunächst Verwirrung und gleichzeitig auch Überraschung aus. Einen Hinweis bieten die Titel der beiden Arbeiten, die auf andere Werke rückschließen lassen. Gegenstände und Personen lassen sich nur angedeutet erkennen und der Betrachter soll sich intensiver mit dem Werk auseinandersetzen, um zu verstehen, was die Titel der Arbeiten beschreiben. Die Werke zeigen zunächst irritierende Bilder – zum Einen eine scheinbar unscharf wirkende Zeichnung, zum Anderen eine Wandgestaltung aus abgerissenen Papierschichten. Die Kunst ist darauf angelegt, den Betrachter zu fordern, indem nicht alles preisgegeben wird: Sie muss durch das genaue Hinsehen erforscht werden.

Einführung: Paulina Dylewicz, Wissenschaftliche Volontärin an der Staatsgalerie Stuttgart, Kuratorin der Ausstellung © Werner Markt

Die Ausstellung entstand in enger Zusammenarbeit zwischen dem Evang. Bildungszentrum Hospitalhof und der Staatsgalerie Stuttgart. Der Künstler Sławomir Elsner hat für die Ausstellung zwei Werke aus dem Museumsbestand herausgesucht, die das diesjährige Themenjahr der Lutherdekade »Reformation – Bild und Bibel« aufgreifen. Das Themenjahr hinterfragt vor allem, ob Bilder heute noch genauso wirkungsvoll sind, wie im 16. Jahrhundert.

Über eine lange Zeit wurde aus kunsthistorischer Sicht mit der Reformation insbesondere der Bildersturm verbunden. Die Kunstwissenschaft zeigt, dass dies zwar auf vereinzelte Regionen zutrifft, hervorzuheben ist jedoch die Funktion von Bildern durch den Einsatz neuer Medien wie Buchdrucke und Flugblätter. Ihnen wurden Illustrationen beigelegt, mithilfe derer die breite Öffentlichkeit Zugang zum Gedankengut der Reformatoren erhielt und durch die die reformatorischen Erkenntnisse verbreitet werden konnten. Diese neuzeitliche Medienrevolution steht in enger Beziehung mit der Künstlerwerkstatt der Cranach-Familie. Vater und Sohn, Lucas Cranach der Ältere und der Jüngere, leisteten durch ihre Werke einen wesentlichen Anteil zur Verbreitung der reforma­torischen Ideen. In diesem Jahr widmet sich die Lutherdekade deshalb auch der Würdigung von Lucas Cranach d. J., dessen Geburtstag sich am 4. Oktober 2015 zum 500sten Mal jährt. In Cranachs Werk vereint sich das vorreformatorische und reformatorische Weltbild. Durch den Einsatz von Holzschnitten und Kupferstichen konnten Bilder vervielfältigt werden, dadurch hatten sie einen wesentlichen Anteil am großen Bekanntheitsgrad und Erfolg des Reformationsgedankens. An Cranachs Werken zeigt sich, wie erfolgreich das Bild als Kommunikationsmittel eingesetzt wurde und welche Macht die Reformatoren ihm zuschrieben.

Welches Ausmaß die Reproduktion von Bildern annehmen kann, ist ein zentraler Aspekt in Sławomir Elsners Werk, dessen Motive oftmals auf fotografischen Vorlagen aus den Medien basieren.

Text: Paulina Dylewicz M. A., Auszug aus dem Begleitheft zur Ausstellung

Begleitveranstaltungen

Vernissage
DO 11.06.15, 18:00 Uhr

Einführung mit Paulina Dylewicz, Wissenschaftliche Volontärin an der Staatsgalerie Stuttgart, Kuratorin der Ausstellung

Finissage
DI 11.08.15, 21:00 Uhr

Ausklang im Innenhof

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